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Kronen Zeitung

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FC FulhamMexiko

„EL TRI“ BÄRENSTARK

Co-Gastgeber Mexiko eröffnet die WM mit 2:0-Sieg

krone Sport

Es ist getan, der Startschuss ist gefallen, die 23. Fußball-Weltmeisterschaft der Geschichte ist im Aztekenstadion von Mexico-City vor rund 80.000 Zuschauern mit dem Duell von Co-Gastgeber Mexiko und Südafrika eröffnet worden! Von der Papierform her wenig überraschend setzten sich die Gastgeber als 14. der FIFA-Weltrangliste gegen den 60. locker durch und siegten am Ende verdient mit 2:0. Für die Mexikaner, die bei ihren beiden vorangegangenen Heim-Weltmeisterschaften jeweils bis ins Viertelfinale vorgestoßen waren, ein wichtiger Auftaktsieg …


25 Grad Celsius, 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, kaum Wind – von den äußeren Bedingungen her war für die Teams von Mexiko und Südafrika trotz der etwas ungewöhnlichen Anstoßzeit von 13.06 Uhr (die Eröffnungszeremonie und die Mannschaftsfotos dauerten länger als erwartet) durchaus angerichtet für einen großartigen Fußball-Nachmittag. Aus Sicht der Mexikaner umso mehr, als sie sich auf eine veritable Fan-Übermacht in ihrer legendären Heim-Arena und darüber hinaus auf ihre Vertrautheit mit der dünnen Luft auf 2220 (!) Metern Seehöhe stützen konnten.

Bild: AP/Natacha Pisarenko

Bild: EPA/SASHENKA GUTIERREZ

„Olé“-Rufe selbst bei simplen Zwei-Meter-Pässen
Von ihrem Teamchef Javier Aguirre in einem offensiv ausgerichteten 4-3-3 aufgestellt, versuchten die Mexikaner denn auch unmittelbar ab dem Anpfiff des brasilianischen Schiedsrichters Wilton Sampaio, den Südafrikanern zu zeigen, wo der mexikanische Hammer hängt. Auch die mehrheitlich den Hausherren zugeneigten Zuschauer taten das Ihre, um „El Tri“ nach vorne zu treiben – und die Südafrikaner zu verunsichern: mit lauten „Olé“-Rufen selbst bei simplen Zwei-Meter-Pässen von Raúl Jiménez und Co. sowie zornigem Buhen bei Ballbesitz der Gäste.

Und der ambitionierte Start der Mexikaner wurde rasch belohnt. Nachdem Fulham-Star Raúl Jiménez in Minute 5 mit der Direktabnahme einer halbhohen Hereingabe von Rechtsverteidiger Israel Reyes noch in „Bafana, bafana“-Goalie Ronwen Williams seinen Meister gefunden hatte, war es dann drei Minuten später so weit: Verteidiger Yaya Sithole verlor kurz vor dem eigenen Strafraum ein Zuspiel seines Goalies an den anpressenden Erik Lira, der leitete direkt auf Julián Quiñones weiter – und der traf aus 16 Metern wuchtig durch die Beine des Goalies zum 1:0.

Expected-Goal-Wert von 0,00 für Südafrika
Mit der Führung im Rücken machten die Mexikaner da weiter, wo sie zuvor aufgehört hatten – mit viel Ballbesitz, mit viel Schwung und viel Offensiv-Drang. Die von Hugo Broos in einer 3-5-2- bzw. 5-3-2-Grundordnung defensiv, auf Umschaltmomente ausgerichteten Südafrikaner kamen zeitweise nicht über die Mittellinie und wirkten deutlich verunsichert. Den einen oder anderen lauwarmen Konter konnte man zwar lancieren, für ernsthafte Gefahr wussten Iqraam Rayners und Co. aber nicht zu sorgen.

Bild: AFP/RODRIGO OROPEZA

Nach einer halben Stunde hielten sie bei einem Expected-Goal-Wert von 0,00. Einzig Mexiko-Keeper Raúl Rangel machte bei seinen wenigen Ballkontakten und Aktionen nicht gerade den Eindruck, im Fall der Fälle ein sicherer Rückhalt sein zu können. So etwa, als er sich in Minute 22 bei einem hohen Ball in die Tiefe verschätzte, ihn aber gerade noch zur Seite fausten konnte …

Immerhin: Die Südafrikaner konnten Mexiko bei all der viel zu oft gezeigten Passivität der Defensiv-Kräfte längere Zeit von Großchancen abhalten, immer wieder zwang man die Hausherren zu Weitschüssen oder ungenauen Flanken, die aber meistens für keine Gefahr sorgten – oder zur Beute von Goalie Williams wurden.

Südafrika rettete sich mit Ein-Tor-Rückstand in Pause
Ab Minute 42 wurde es dann allerdings wieder brenzliger: Einer Fidalgo-Flanke aus dem linken Halbfeld konnte Raúl Jiménez noch einen Stupser mitgeben, aber wieder war Williams im Südafrika-Gehäuse unüberwindbar. Nur wenige Sekunden danach kam Torschütze Quiñones nach Ablage von Brian Gutiérrez aus 14 Metern zum Abschluss – und traf nur die Stange! Mit mehr Glück als Fußball-Verstand rettete sich Südafrika aber mit dem Ein-Tor-Rückstand in die Halbzeit-Pause.

Dass es auch fünf Minuten nach Wiederanpfiff gerade einmal 1:0 für Mexiko stand, glich aus Sicht von „Bafana, bafana“ dann einem mittelgroßen Wunder. Denn erst schien ihr Goalie Williams plötzlich von Farbenblindheit geschlagen, als er den Ball völlig unbedrängt statt zu einem gelb-gewandeten Mitspieler flach in die Füße des in Grün gekleideten Mexikaners Lira schob und dieser wohl nur aus völliger Verdutztheit NICHT umgehend das 2:0 erzielte (46.). Und wenig später wurde Gutiérrez auf dem Weg zum Tor-Erfolg im allerletzten Moment knapp vor dem südafrikanischen Strafraum von Sithole gefoult. Logische Folge: Der Mitschuldige am ersten Gegentor musste mit der ersten Roten Karte des Turniers vom Platz.

Bild: AFP/RODRIGO OROPEZA

Raúl Jiménez sorgt für die Entscheidung
Glück im Unglück für Südafrika, dass Raúl Jiménez den fälligen Freistoß aus knapp 17 Metern Entfernung in die Mauer knallte – aber weniger Glück für Südafrika, dass der 25-jährige Topstar von „El Tri“ eine in der Folge rund 15-minütige Schaffenspause der Mexikaner mit einem Paukenschlag beendete. Für einmal war Roberto Alvarado auf rechts völlig unbedrängt gewesen, was er zu einer Flanke nutzte, mit der er den am zweiten Pfosten alleingelassen Raúl Jiménez fand – und der köpfelte locker zum 2:0 ein (67.).

Die Entscheidung, ohne Zweifel – denn hatten die Südafrikaner bereits in Hälfte 1 offensiv schwach agiert, war von ernsthaften Angriffen im 2. Durchgang de facto gar nichts mehr zu sehen. Mehr als die Verhinderung eines Debakels schienen die Mannen von Teamchef Broos nicht mehr im Sinn zu haben.

Bild: AFP/YURI CORTEZ

Zumindest ein weiteres Mal schafften sie es dann aber nach der Roten Karte für Sithole doch noch auf die Anzeigetafel, allerdings nicht durch ein Tor, sondern durch einen weiteren Ausschluss. Schiri Sampaio sah nach VAR-Intervention bei einem Zweikampf eine aktive Schlagbewegung des eingewechselten Südafrikaners Themba Zwane gegen den Mexikaner Alvarado gegeben – und zeigte dem 26-Jährigen glatt Rot.

Auch Mexiko fängt sich noch eine Rote ein
Der Schlusspunkt unter einer zwar amüsant anzusehenden, aber nicht unbedingt als hochklassig zu bezeichnenden Partie? Mitnichten: In der 92. Minute fing sich nämlich auch Mexiko-Kapitän Cesar Montes noch eine Rote Karte ein, für eine ungestüme Attacke gegen Khuliso Mudau an der Strafraum-Grenze. Letzter Mann war er zwar nicht, aber zumindest für Schiri Sampaio rechtfertigte das Foul den Ausschluss.

Bild: AFP/YURI CORTEZ

Mit diesem Paukenschlag war das Pulver der Partie nun aber endgültig verschossen, der Käse gegessen, der Drops gelutscht, die letzte Messe gelesen – und Mexiko hatte den so dringlich ersehnten Startsieg in trockenen Tüchern …

Das Ergebnis:
Mexiko – Südafrika 2:0 (1:0)
Mexico-City, Aztekenstadion, 80.824 Zuschauer, Schiedsrichter Wilton Sampaio

Tore: 1:0 (9.) Julian Quinones, 2:0 (67.) Raúl Jiménez

Rote Karten: Montes (92./Notbremse) bzw. Sithole (49./Notbremse), Zwane (84./Tätlichkeit)

Gelbe Karten: Gutierrez bzw. Mokoena, Sibisi

Mexiko: Rangel – Reyes, Montes, Vasquez, Gallardo – Lira (76. Alvares) – Alvarado, Gutierrez (66. Chavez), Fidalgo (66. Mora), Quinones (79. Vega) – Jimenez (76. Gonzalez)
Südafrika: Williams – Mudau, Okon, Sibisi, Mbokazi, Modiba (76. Appollis) – Mokoena, Sithole, Adams (61. Zwane) – Foster (56. Mbatha), Rayners (76. Makgopa)


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